Stadtlotse – Pilot jetzt, Ausbau danach

Die Idee ist bewusst zweistufig:

Stufe 1: Ein klar begrenzter Pilot in einem Stadtteil. Geringe Komplexität, rechtlich machbar, finanziell klein.
Stufe 2: Ausbau zur vollwertigen Stadt-Infrastruktur mit Identifikation, Sprachsteuerung, Statistik und offizieller Anbindung von Behörden.

Wichtig: Wir reden nicht über ein 50-Millionen-Großprojekt. Wir reden über „Wir probieren das aus – und lernen gemeinsam“.

1. Pilotphase – Was brauchen wir wirklich?

Ein Stadtviertel (z. B. Sendling / 50.000–100.000 Einwohner), ein Einstiegs-Thema (z. B. Sicherheit im öffentlichen Raum, Sauberkeit, Schulweg). Kein Riesensystem. Ein Werkstattstück.
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Technische Basis

klein, klar, bezahlbar

Bürger-Frontend

Eine einfache Website / Web-App, auf der man ein Anliegen beschreibt (Text, Standort, Foto). Keine App-Store-Hürde, einfach QR-Code & los.

Routing & Speicherung

Ein kleiner Server (z. B. 4 vCPU / 8–16 GB RAM) nimmt Meldungen an, sortiert sie nach Themen (Lärm, Beleuchtung, soziale Not, etc.) und leitet sie an die richtige Stelle weiter. Das ist technisch einfacher als ein Online-Shop.

Dashboard für Zuständige

Ein passwortgeschütztes Web-Dashboard für definierte Partner (Stadtteilkoordination, Ordnungsamt, Sozialdienst). Dort sieht man neue Fälle, markiert „In Bearbeitung“, „Erledigt“.

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Kosten & Aufwand (Pilotmaßstab)

kein Millionenprojekt, sondern „wir probieren das mal“

Server & Hosting

ca. 40–80 € monatlich für Hosting + Backups. Kein Spezialrechenzentrum, kein Goldrand.

Entwicklung & Setup

Ein kleines Team (Technik + Sozialseite) baut innerhalb weniger Wochen den ersten funktionsfähigen Prototypen. Größenordnung: ein paar Tausend Euro, nicht Hunderttausende.

Beteiligte Stellen

Wir brauchen am Anfang NICHT „die ganze Stadtverwaltung“, NICHT „die ganze Polizei“. Wir brauchen 2–3 Ansprechpersonen, die sagen: „Wenn was reinkommt, schauen wir drauf.“

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Datenschutz in Stufe 1

wir halten’s bewusst unkritisch

Anonyme / pseudonyme Meldung

In der Pilotphase muss niemand Name + Adresse hinterlegen. Es reicht: Thema + Ort + Beschreibung.

Keine Gesundheitsdaten, keine Personaldaten

Wir starten mit Themen wie Sauberkeit, Beleuchtung, Schulweg, Sicherheitsempfinden, soziale Beobachtung. Kein „aktenrelevantes“ Material wie medizinische Daten.

Moderation statt Wildwest

Persönliche Anschuldigungen („Frau X aus Haus Y…“) werden nicht eins-zu-eins durchgereicht. Es gibt Sichtprüfung durch eine definierte Stelle vor Ort.

2. Perspektive: Wie das wachsen kann

Wir verschweigen nicht, dass es größer werden kann. Im Gegenteil – wir sagen offen, wohin die Reise gehen KANN, wenn die Stadt das will.
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Verifizierte Identität

„Ich bin wirklich Anwohner:in, kein Troll.“

Schritt 2, nicht Schritt 1

Wenn der Pilot läuft, kann man z. B. über E-Mail-Verifikation oder kommunale Accounts echte Identitäten bestätigen. Das hilft bei sensibleren Themen und offiziellen Vorgängen.

Wichtig für Polizei & Verwaltung

Für bestimmte Vorgänge (Zeugenaussage, Gefährdungslage) brauchen Stellen verlässliche Daten. Das kann man ab Ausbaustufe anbieten.

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Barrierearmer Zugang

nicht jeder tippt gerne Formulare

Sprachmeldung

In der Ausbaustufe kann man Sprachaufnahmen zulassen („Ich will was melden, ich diktiere es einfach“), die automatisch in Text umgewandelt werden.

Vor-Ort-Terminal

Ein Touchscreen im Stadtteilbüro, in der Bibliothek oder beim BA. Für Menschen ohne Smartphone / ohne Deutsch als Erstsprache.

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Lagebild & Statistik

Frühwarnradar für Konfliktzonen

Hotspots erkennen

Wenn 20 Meldungen sagen: „Hier fühlen wir uns abends unsicher“, dann hat Polizei / Ordnungsdienst / Streetwork ein Lagebild – auch ohne offizielle Anzeige.

Politische Steuerung

Bezirksausschüsse bekommen Zahlen und können sagen: „Das ist nicht mein Bauchgefühl, das ist ein dokumentiertes Problem.“

Ressourcenargumente

Soziale Träger können Mittel beantragen mit Daten, nicht nur mit „Wir sehen das in der Praxis“.

3. Typische Einwände & unsere Antworten

Damit wir ehrlich bleiben. Widerstand wird kommen – und zwar sofort.
„Das ist doch wieder ein neues System, wir haben doch schon XY!“
Ja, aber XY deckt meist nur ein Segment ab (z. B. Müll oder Straßen).
Der Stadtlotse verbindet Sozialthemen, Sicherheitsempfinden, Nachbarschaftshilfe und klassische Ordnungsthemen. Das gibt es so nicht.
„Das wird ein Monster wie die elektronische Patientenakte.“
Nein. Pilot heißt: ein Stadtteil, ein Server, ein kleines Team, ein Fokus-Thema. Kein bundesweites Register, keine medizinischen Daten, keine Abrechnungslogik. Wir bauen kein Krankenhaus-ERP, sondern ein Bürger-Feedback-Kanal mit Rückmeldung.
„Wer liest das alles? Wir haben jetzt schon zu wenig Personal.“
In der Pilotphase definieren wir 2–3 feste Ansprechpartner:innen. Nicht „alle Behörden gleichzeitig“, sondern: eine kleine Koordinationsstelle filtert und verteilt. Das ist genau der Unterschied zu Horror-IT-Projekten.
„Dann melden die Leute anonym lauter Scheiß und hetzen gegeneinander.“
Deswegen ist der Pilot moderiert. Persönliche Anschuldigungen gehen nicht 1:1 weiter, sondern werden geprüft. Und ja, ab Stufe 2 können Meldende sich auch verifizieren lassen. Wir haben das auf dem Radar.
„Das ist politisch gefährlich, wenn die Leute sich öffentlich beschweren.“
Umgekehrt: Es ist gefährlich, wenn Leute das Gefühl haben, sie werden ignoriert. Der Stadtlotse zeigt: Wir hören euch, wir ordnen es zu, wir reagieren. Das schützt Vertrauen in Behörden – und damit letztlich Demokratie.

Warum wir trotzdem anfangen sollten

Wenn Menschen Dinge melden können – und sichtbar ist, dass reagiert wird – sinkt Frust. Das ist gelebter Demokratieschutz vor Ort.

Der Pilot ist klein genug, dass wir ihn ernsthaft ausprobieren können. Aber offen genug, dass daraus eine dauerhafte Stadtstruktur entstehen kann: mit Identifikation, Sprachaufnahme, Statistik und Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Polizei, Sozialarbeit und Stadtteilpolitik.

Wir schlagen heute NICHT „Großprojekt München 2030“ vor. Wir schlagen „Lasst uns das hier im Viertel ausprobieren“ vor.