Der Stadtlotse
– Bürgerbeteiligung sichtbar machen
Kurz gesagt:
Der Stadtlotse ist ein digitales (oder auch analog unterstütztes) Meldesystem für Bürgeranliegen. Menschen können Probleme, Ideen oder Unterstützungsbedarfe eingeben – und das System sorgt dafür, dass es bei der richtigen Stelle landet und der Bearbeitungsstand nachvollziehbar bleibt.
Es geht nicht nur um „da liegt Müll“, sondern auch um Dinge wie: „Meine Nachbarin kommt alleine nicht mehr die Treppe runter“, „Hier gibt es jede Nacht Stress im Park“, „Wir brauchen einen sicheren Überweg für Schulkinder“, „Ich habe eine Idee für unser Viertel“.
1. Worum geht's beim Stadtlotsen?
Der Stadtlotse beantwortet für Bürgerinnen und Bürger drei praktische Fragen:
- Wohin mit meinem Anliegen? Wer ist zuständig?
- Wird sich jemand darum kümmern? Habe ich eine Rückmeldung?
- Sehe ich, dass sich wirklich was bewegt? Transparenz statt Schweigen.
Das Ziel ist nicht nur „Fehler melden“, sondern Kommunikation herstellen:
zwischen Einwohnern, Verwaltung, sozialen Stellen, Initiativen, Nachbarschaftshilfen.
2. Warum ist das demokratisch relevant?
- Wenn Menschen das Gefühl haben „Ich werde eh nicht gehört“, ziehen sie sich zurück – oder radikalisieren sich verbal. Das ist ein Risiko für Demokratie.
- Wenn Rückmeldungen sichtbar sind („Status: aufgenommen / in Bearbeitung / erledigt“), entsteht Vertrauen statt Frust.
- Der Stadtlotse senkt die Schwelle zur Beteiligung für Menschen, die keine Lust oder keine Möglichkeiten haben, sich durch Zuständigkeitsdschungel zu kämpfen.
- Das System stärkt Teilhabe auch für Leute, die nicht laut auftreten können (ältere Menschen, Alleinerziehende, Menschen mit Sprachbarrieren usw.).
Kernthese: Demokratie beginnt nicht erst bei Wahlen, sondern im Alltag. Wer ernstgenommen wird, gehört dazu.
3. Wie funktioniert das (Vision / Ablauf)?
- Schritt 1 – Anliegen eingeben:
Bürger*in beschreibt kurz die Situation oder Idee (Text, Foto, Standort). Das kann online sein – langfristig aber auch über eine Anlaufstelle z. B. im Stadtteilbüro / Quartierszentrum.
- Schritt 2 – automatische Zuordnung:
Das System leitet den Fall an die wahrscheinlich zuständige Stelle weiter:
Müll? → AWM. Lärmbelästigung? → Ordnungsamt/Nachbarschaftsmediation. Soziale Not? → Soziale Dienste / Ehrenamt / Quartiersmanagement.
(Wichtig: Es geht ausdrücklich nicht nur um Infrastruktur, sondern auch um soziale Themen.)
- Schritt 3 – Status sichtbar halten:
Für jede Meldung existiert ein Vorgang: „Eingegangen / In Bearbeitung / Erledigt“.
Die meldende Person sieht: Passiert da was oder versandet das wieder?
- Schritt 4 – Rückkanal:
Die Stelle kann antworten („Wir kümmern uns bis Freitag“, „Zuständigkeit liegt bei XY, wir haben weitergeleitet“, „Bitte melden Sie sich telefonisch unter…“).
- Schritt 5 – Auswertung / Muster erkennen:
Wenn aus einem Viertel 40 Leute dasselbe melden, ist das ein Signal. Das kann Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft als Entscheidungsgrundlage nutzen.
→ Das ist Bürgerfeedback als Frühwarnsystem. Das ist Beteiligung, bevor es knallt.
4. Was wäre der erste sinnvolle Anwendungsfall für München?
Wir schlagen keine Monsterlösung für ganz München auf einmal vor. Wir schlagen ein Pilotfeld vor. Beispiele:
- Stadtteil-Pilot (z. B. Sendling / Giesing / Hasenbergl):
Wir testen den Stadtlotsen in einem überschaubaren Viertel – zusammen mit einem Quartiersbüro, einem Sozialträger, vielleicht einer Bezirksausschuss-Ansprechperson.
- Themen-Pilot:
Nur ein Thema, z. B. „Sichere Wege für Kinder / Schulweg-Sicherheit“, oder „öffentliche Sauberkeit und Angsträume“. Das kann Verwaltung leichter andocken lassen.
Warum Pilot? Weil Pilot heißt: machbar, messbar, lernbar. Nicht schwafeln, machen.
5. Was wollen wir HEUTE hier am Barcamp erarbeiten?
Das ist sehr wichtig für den Tag. Sonst denken die Leute: „Coole Idee, aber was soll ich hier tun?“
Du gibst ihnen Aufgaben, damit sie mit dir co-owner werden.
- Welche Probleme erleben Menschen wirklich vor Ort?
→ Wir sammeln echte Situationen aus der Stadt: Wo hakt es? Wo fühlen sich Leute alleine gelassen?
- Wer müsste in München eingebunden sein, damit so ein Stadtlotse ernst genommen wird?
→ Stadtverwaltung? Bezirksausschüsse? Wohlfahrtsverbände? Sozialarbeit? Quartiersmanagement? Zivilgesellschaft?
- Wie niedrigschwellig muss der Zugang sein?
→ Reicht eine Website? Braucht es auch „Ich komme ins Stadtteilbüro und sag’s einer Person, die es eintippt für mich“?
- Was ist das kleinste lauffähige Teilprojekt?
→ Ein Formular + eine Ansprechstelle + Rückmeldungspflicht = Beta-Version.
Am Ende des Tages wollen wir ein klar formuliertes Pilot-Szenario, das wir jemandem (Stadt, Träger, Förderstelle) vorlegen können:
„Wir würden gerne in Stadtteil X für Themen Y diese Art von Meldestelle 3 Monate testen.“
6. Wen suchen wir konkret als Mitstreiter*innen?
- Menschen aus der Praxis
Sozialarbeit, Stadtteilkoordination, BA-Vertreter*innen, Streetworker, Nachbarschaftshäuser.
Die wissen, wo es brennt und wie Kommunikation in echt läuft, nicht nur auf Papier.
- Menschen mit Zugang zur Stadt / Verwaltung
Leute, die wissen, wie man „kann das jemand offiziell beantworten?“ so stellt, dass nicht gleich alle zumachen.
- Menschen für Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit
Wir müssen das so erklären, dass normale Leute es nutzen wollen, und dass die Stadt nicht sofort Angst bekommt („Shitstorm-Portal!!1!“).
- Tech / Prozessdenker*innen
Leute, die sagen können: „Das können wir in einer leichten Web-App abbilden“ und „Hier ist ein sauberer Ablaufstatus“ – ohne gleich SAP auszupacken.
Wichtig: Das hier ist kein rein technisches IT-Projekt. Das ist ein Vertrauens-Projekt.
7. Nächste Schritte / Call to Action
- Wir definieren HEUTE EIN PILOTFELD (Ort oder Thema) – realistisch klein.
- Wir klären, wer in diesem Pilot direkt Ansprechpartner*in wäre.
- Wir formulieren, welchen Nutzen jede Seite hätte:
- für Bürger*innen (Ich werde gehört)
- für die Stadt (bündeltes Feedback, Prioritäten erkennen)
- für soziale Träger (wir bekommen Hinweise früh, nicht erst beim Notfall)
- Wir sammeln Kontaktdaten der Leute, die da ernsthaft mitgehen wollen.
Ziel vom Barcamp-Tag: Wir gehen hier nicht raus mit „war interessant“, sondern mit „wir probieren das an diesem Ort / zu diesem Thema / mit diesen Leuten“.